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Das Eröffnungskonzert des Internationalen Orgelsommers 2017 präsentiert programmatisch eine "Messe für Orgel und Gesang" und orientiert sich dabei in seinen Rahmenteilen an Johann Sebastian Bachs "Orgelmesse" aus dem Dritten Theil der Clavierübung. Dazwischen eingeschoben erklingen Arien aus verschiedenen vertonten Messen Bachs, sowie aus dem Musicalischen Gesang-Buch von Bach-Schemelli. Einzelne Choralbearbeitungen sowie die dazu gehörigen gesungenen Choräle komplettieren den konzertant-liturgischen Ablauf.

Das eröffnende Praeludium Es-Dur beginnt im französischen Ouvertürenstil. Im weiteren Verlauf werden zunächst galante Anklänge hörbar bevor sich schließlich noch ein drittes Thema hinzugesellt. In unterschiedlichen Kombinationen kehren diese drei Teile ritornellartig wieder, worin sich Bachs universelle Meisterschaft auf ihrem reifen Höhepunkt zeigt.

Darauf folgen die sogenannten "drei kleinen Kyrie-Bearbeitungen", die durch ihre Taktprogression 3/4 - 6/8 - 9/8 in engster Verbindung zueinander stehen und eindrucksvoll kontrapunktisch durchkomponiert wurden. Die Melodien der drei Bearbeitungen basieren auf dem Naumburger Kyrie, welches in der protestantischen Gottesdienstordnung von 1537/38 aus St. Wenzel seine älteste bekannte Quelle hat.

In der protestantischen Kirchenmusik war die Vertonung und Komposition ausschließlich der beiden Messtexte "Kyrie" und "Gloria" bekannt als "Missa brevis", bzw. "lutherische Messe". "Quoniam tu solus sanctus dominus" markiert den vorletzten Teil des Gloria: "Denn du allein bist Heilig, du bist allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus."

Die beiden kürzeren Werke Dietrich Buxtehudes stellen vorzügliche Beispiele norddeutscher Choralbearbeitungen dar. Ausschweifend koloriert erklingt die Choralmelodie jeweils in der Oberstimme und unterscheidet sich in ihrer solistischen Behandlung von den motivisch eigenständig geführten Begleitstimmen, welche ihrerseits immer wieder Zitate der Choralmelodie verarbeiten.

Die geistlichen Lieder und Arien aus dem Gesangbuch von Bach-Schemelli waren wahrscheinlich für die musikalische Begleitung von Hausandachten bestimmt. Trotz aller Einfachheit mangelt es den Liedern jedoch nicht an Expressivität. So gehörte beispielsweise "Komm, süßer Tod" lange zu den bekanntesten Werken Bachs und regte auch andere Komponisten zur Auseinandersetzung damit an.

Folgende beiden Choralbearbeitungen stammen wiederum aus dem Dritten Theil der Clavierübung. Moderne italienische Ritornell- und traditionelle Fugentechnik bilden das Spannungsfeld in "Wir glauben all an einen Gott", wobei nur der Choralanfang paraphrasiert im Fugenthema anklingt und ein obligates Motiv im Pedal das Stück gliedert. Auch das Fugenthema von "Jesus Christus, unser Heiland" bedient sich des Choralbeginns. Mit seiner eigenwilligen Harmonik, Akzentverschiebungen und Engführungen stellt dieses Werk ein besonders schönes Beispiel Bachscher Fugenkunst dar. "Qui tollis pecccata mundi" entstammt textlich erneut dem "Gloria" einer weiteren "Missa Brevis": "Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: erbarm dich unser; du nimmst hinweg die Sünden der Welt: nimm an unser Gebet."

Der in Dresden und Hamburg tätige Matthias Weckmann war bekannt für seine kunstvollen, virtuosen Orgelwerke. Seine Choralbearbeitungen umfassen meist Verszyklen mit 2-7 Sätzen in welchen die Choralmelodie variiert wird. "Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herren" lautet die Übersetzung des Tenor-Solos „Benedictus“ aus Bachs letztem großen Vokalwerk, der h-Moll-Messe.

Das Hauptthema der Fuge in Es-Dur ist in seiner Kreuzform ein Symbol für das Kreuzeszeichen am Ende der Messe. Die Fuge besteht aus drei Teilen mit einem jeweils eigenen Fugenthema, wobei das erste Thema mit den beiden anderen Themen kombiniert wird. Mit einer triumphalen Geste am Ende der Fuge wird der Dritte Theil der Clavierübung auf höchst zeremonielle Weise beschlossen.

 

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Orgelabnahme
durch Bach und Silbermann