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Als der junge Johann Sebastian Bach im Alter von zehn Jahren zum Waisen wurde, nahm ihn sein älterer Bruder Johann Christoph in Ohrdruf auf. Dieser selbst hatte seine musikalische Ausbildung zunächst im Schoß der eigenen Familie begonnen, ging dann aber nach Erfurt, um in den folgenden drei Jahren bei dem berühmten Komponisten und Organisten Johann Pachelbel sein Können zu verfeinern. In den Jahren, da Pachelbel als Organist an der Erfurter Predigerkirche Dienst tat, brachte er unter anderem durch seine Schüler eine erstaunliche Vielzahl unterschiedlicher, bis dahin nahezu unbekannter Kompositionen in die Region - darunter viele Werke von Dietrich Buxtehude, welchen Pachelbel sehr verehrte, ihm später sogar seine berühmte Sammlung "Hexachordum Apollinis" widmete.

Die "Toccata d-Moll" (die Fuge wurde erst später im Zuge der Veröffentlichung hinzugefügt; es handelt sich im Original aber um zwei voneinander getrennte Werke) stellt ein besonderes Werk im Gesamtschaffen Pachelbels dar. Man findet kein zweites Mal ein solches Pedalsolo - auch dies kann dem Einfluss Buxtehudes bzw. dem Norddeutschen Orgelstil zugeschrieben werden, da man hier die häufige solistische Verwendung des Pedals als charakteristisch bezeichnen darf.

Pachelbels Ansehen als erstrangiger Komponist wird auch in seinen Choralbearbeitungen sichtbar, ebenso in den beiden Chaconnen in f-Moll und d-Moll, welche zweifelsfrei Meisterwerke darstellen.

In den fünf Jahren, die Johann Sebastian Bach in Ohrdruf verweilte, entwickelte er sowohl seine allgemeine musikalische Bildung, aber auch seine Clavier-Technik wesentlich weiter. Als er im Anschluss daran ab 1700 die Schule in Lüneburg besuchte, konnte er den Kontakt zu Musik der Norddeutschen Orgelschule, welche er in Ansätzen bereits durch seinen Bruder kennengelernt hatte, intensivieren. Diese stimulierende Erfahrung wirkte sich sehr fruchtbringend auf sein weiteres Schaffen aus. Doch auch darüber hinaus waren diese zwei Jahre in Lüneburg von einzigartiger Bedeutung, da Bach in dieser Zeit Kontakt zu dem großen Organisten Georg Böhm pflegte.

Selbst als er einige Jahre später bereits Organist in Arnstadt war, um von dieser Position aus einen unübertroffenen Werdegang zurückzulegen, begab er sich nochmals auf Reise, um bei Dietrich Buxtehude selbst seine "Kunst zu vertiefen", was als deutliches Zeichen dafür gewertet werden darf, wie hoch er das Schaffen dieses Komponisten ansah.

Nur vor diesem Hintergrund und der Fähigkeit zu einer brillanten Synthese, welche sowohl aus der spielerischen Assimilation unterschiedlichster Stile als auch einer vollendeten Form- und musikalischen Klangsprache besteht, erklärt sich ein Werk wie Präludium und Fuge e-Moll (BWV 548). Dieses Meisterwerk vereint die Komplexität einer musikalischen Rede nach strengen rhetorischen Prinzipien mit der unmittelbaren Direktheit der musikalischen Geste.

Unter diesem Gesichtspunkt erlaubt das Programm einen Vergleich der Komponisten Pachelbel, Buxtehude, Böhm und Johann Gottfried Walther, einem Verwandten, Freund und Zeitgenossen Bachs. Walthers Variationen über "Meinen Jesum lass ich nicht" zählen zu den schönsten Bearbeitungen, welche im 18. Jahrhundert komponiert wurden und von einer brillanten und majestätischen Seite zeigen sich Präludium und Fuge in D. Doch sowohl Walther, als auch die anderen genannten Komponisten erreichen die Qualität der Kompositionen Johann Sebastian Bachs nicht.

Im begrenzten Rahmen möchte dieses Programm den Weg beleuchten, der über einige seiner bedeutendsten Zeitgenossen hin zu Johann Sebastian Bach und seiner Musik führte.

G. Biagetti

 

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Orgelabnahme
durch Bach und Silbermann