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Das Abschlusskonzert des Internationalen Orgelsommers 2017 präsentiert Orgelkunst in einer kaum zu überbietenden Vielfalt. Neben Werken für Orgel solo steht allen voran Orgelmusik zu "Vier Händen und Vier Füßen" im Mittelpunkt. Dabei erklingen Werke des Barock, der Romantik und der Moderne. Darüber hinaus werden Sie Improvisationen erleben dürfen, welche in Verbindung mit der Finissage zur Ausstellung "Frauen der Reformation in der Region" in St. Wenzel stehen.

Fulminant beginnt der Abend mit dem berühmten 5. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung für Orgel zu vier Händen. Die Solo-Instrumente bilden in diesem Konzert ursprünglich eine Violine, eine Flöte und ein Cembalo, wobei dem Cembalo (dessen Funktion bis dahin v.a. der Ausführung des Generalbasses oblag) die herausragende Rolle übertragen wird und diesem Konzert einen einmaligen Status verleiht. Das Allegro stellt den längsten und komplexesten ersten Satz der gesamten Brandenburgischen Konzerte dar. Die folgenden Sätze stehen diesem in einem bewundernswerten Kontrast gegenüber. So wird der zweite Satz ausschließlich von den Soloinstrumenten bestritten, welche eine zwar intime, gleichwohl aber auch düstere Stimmung erzeugen. Bei dem Schlusssatz handelt es sich um einen charmanten Tanz, eine lebendige Gigue, welcher eine fugale Satzstruktur zu Grunde liegt. Es folgt eine Improvisation über eine Tafel der Ausstellung, welche sich Anna II. von Stolberg (1504 - 1574) zuwendet - der ersten protestantischen Äbtissin im Quedlinburger Stift, welche mit viel Klugheit und Durchhaltevermögen nach 1539 die Reformation einführte, eine Kirchenordnung schuf und das Schul- und Finanzwesen der Stadt neu ordnete.

Adolph Friedrich Hesse war einer der ersten deutschen Organisten, der als reisender Virtuose internationale Anerkennung gewann. Die vierhändige Fantasie d-Moll entstand im Jahre 1863 als sein letztes Orgelwerk und sollte sich als eine der bedeutsamsten Orgelkompositionen in diesem Bereich etablieren. Dieses überaus geschickt gearbeitete Stück bedient sich der Möglichkeiten im vierhändigen Satz sehr maßvoll und glänzt sowohl durch reiche Differenzierungen in der Satzdichte als auch einer wohldosierten dynamischen Nuancierung.

Im Anschluss daran erklingt eine Improvisation über "Herr Christ, der einig Gotts Sohn" - dem Lied einer anderen Frau der Reformation, Elisabeth Cruciger (ca. 1500 - 1535), der ersten Lieddichterin der evangelischen Kirche.

Die Komponistin Margaretha Christina de Jong komponiert mit "Präludium, Choralpartita und Fuge über Jesu, meine Freude" bewusst eine Stilkopie im Sinne Johann Sebastian Bachs. Das Präludium weist ein typisches Frage-Antwort-Spiel im wiegenden 6/8-Takt auf. Ein Textbezug der folgenden sechs Partitensätze scheint naheliegend (Partita III: "Trotz dem alten Drachen"; Partita VI "Weicht, Ihr Trauergeister!"). Den Schlusspunkt setzt eine vierstimmige Fuge, deren Thema sich aus der ersten Choralzeile ableitet.

Eine weitere Improvisation wird inspiriert von Katharina von Schwarzenburg (1509 - 1567), auch genannt "die Heldenmütige", welche sich dem Aufbruch in einer Zeit anschloss, als sich der Protestantismus in geistigen und kriegerischen Auseinandersetzungen einen Weg bahnte. Den Schlusspunkt setzt das Orgelduo Esprit nochmals gemeinsam. Die beiden Stücke des Amerikaners Robert Milton Cundick sind einer eher konventionellen Tonsprache verpflichtet. Dem ruhig dahinströmenden „Prelude“ steht das abschließende „Postlude“ mit seinem markanten, eingängigen Thema ganz im Stil einer virtuosen französischen Tokkata gegenüber.

 

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Orgelabnahme
durch Bach und Silbermann