"... und wer diese Orgel gesehen und gehöret,

der ist niemals ohne Bewunderung davon

hinweggegangen."
    (Johann Christoph Altnickol 1753)



 

Sehr verehrte Gäste, liebe Hörerinnen und Hörer,

"500 Jahre Reformation - 500 Jahre Kirchenmusikgeschichte an St. Wenzel", so lautet das musikalische Jahresmotto an St. Wenzel Naumburg im Reformationsjahr 2017. Als eine der traditionsreichsten Stätten protestantischer Kirchenmusik überhaupt blickt St. Wenzel auf fünf Jahrhunderte bewegter Musikgeschichte zurück, in der so bedeutende Persönlichkeiten wie Martin Luther, Michael Praetorius, Samuel Scheidt, Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach bis hin zu Albert Schweitzer ihre Spuren hinterließen.

Erleben Sie "500 Jahre Musik an St. Wenzel" auf lebendige Weise im Internationalen Orgelsommer, jeden Freitag im Juli und August um 19.30 Uhr:
Konzert um Konzert werden die Jahrhunderte durchschritten, wobei die genannten Persönlichkeiten der Musikgeschichte in Lesungen aus ihren Briefen, die sich noch heute im Naumburger Stadtarchiv befinden, "selbst" zu Wort kommen. Ob beim Eröffnungskonzert am 7. Juli, bei dem zwei Bachpreisträger gemeinsam an unserer Bach-Orgel musizieren, ob bei den Konzerten mit Gastorganisten verschiedener Länder, ob beim Konzert mit dem MDR-Kinderchor am 11. August oder beim Live-Orgelimprovisationskonzert zum Stummfilm "Luther - ein Film der deutschen Reformation" von 1927 - vielfältigste Konzerteindrücke sind garantiert.

Ein besonderes Festkonzert für Viola da Gamba, Barockharfe und Orgel zum Todestag Johann Sebastian Bachs am 28. Juli steht unter dem Motto "Vor deinen Thron tret' ich hiermit" - dem Titel des legendenhaften Sterbechorals, dessen letzte Änderungen Johann Sebastian Bach laut seines ersten Biografen Johann Nikolaus Forkel seinem Schüler Johann Christoph Altnickol, dem ersten Organisten der Hildebrandt-Orgel an St. Wenzel, erblindet vom Sterbebett aus "in die Feder dictirt(e)". Im Festkonzert erklingen daher "Werke Johann Sebastian Bachs und seiner Schüler an St. Wenzel". Den Abschluss des Internationalen Orgelsommers am 25. August bildet ein Konzert des "Orgelduos Esprit" anlässlich der Finissage der Ausstellung "Frauen der Reformation in der Region", die bis Ende August in St. Wenzel zu sehen ist. Dabei hören Sie sowohl Musik über Frauen der Reformationszeit als auch von heutigen Komponistinnen, und dazu Atem beraubende Transkriptionen des "Orgelduos Esprit" für vier Hände und vier Füße, die Sie per Bildübertragung vom Spieltisch live auf Großleinwand miterleben können!

Den Grundstein der bewegten Kirchenmusikgeschichte an St. Wenzel legte Martin Luther persönlich: 1536 entsandte er mit Nikolaus Medler einen neuen Prediger und Superintendenten nach Naumburg, um an der Stadtkirche St. Wenzel die Ideen der Reformation zu etablieren. Medler verfasste dazu eine Kirchen- und Schulordnung, welche die Ämter und Aufgaben in der Gemeinde, die Ordnung der Gottesdienste sowie die geistliche Erziehung der Jugend neu regelte, und überbrachte diese gemeinsam mit dem Naumburger Bürgermeister eigenhändig zur Begutachtung nach Wittenberg. Dort ließen Martin Luther, Philipp Melanchthon und Justus Jonas sich die neue Ordnung "wohlgefallen", wie die drei Reformatoren schreiben.

Die Originalhandschrift der Naumburger Kirchen- und Schulordnung von 1537/38 befindet sich im Naumburger Stadtarchiv. Sie enthält zahlreiche Choräle, die sich noch heute im Evangelischen Gesangbuch finden - und manche davon haben in der Naumburger Ordnung gar ihre älteste Quelle.

Die Choräle der Naumburger Kirchenordnung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Orgelkonzerte zum Kirchenjahr, sie sind dabei in Vertonungen aus fünf Jahrhunderten zu hören.

Gleichzeitig werfen sie die Frage auf: Was bedeutet die Reformation für uns heute und in Zukunft? - Dieser Frage widmen sich die Hildebrandt-Tage 2017, die unter dem Motto "Zukunftsmusik. Bachs Musik und Hildebrandts Orgeln im Reformationsjahr 2017" vom 29. September bis 3. Oktober in Naumburg sowie an Hildebrandt-Orgeln in ganz Mitteldeutschland stattfinden. Eröffnet werden sie am 29. September durch den Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt Rainer Robra. Beim Eröffnungskonzert "Bach und die Reformation" ist mit der Internationalen Bachakademie Stuttgart unter Leitung von Hans-Christoph Rademann eine der renommiertesten Institutionen der Bach-Pflege im Zusammenspiel mit der von von Johann Sebastian Bach mitgeplanten Hildebrandt-Orgel von St. Wenzel zu erleben.

Das musikalische Zentrum des Festivals bildet die Soirée "Zukunftsmusik" am 30. September. Dabei stehen die Choräle der ersten protestantischen Kirchenordnung für St. Wenzel von 1537/38 im Fokus, gespiegelt durch die Ausdruckswelten unserer Zeit: In innovativen Improvisationen für Saxophon und Orgel, in Uraufführungen von Auftragskompositionen, im Zusammenspiel von Orgelmusik und Live-Elektronik sowie in großartigen Lichtilluminationen generieren sie ein einzigartiges und visionäres Klang- und Lichterlebnis in St. Wenzel.

Am Nachmittag des 2.10. können Sie bei einem Besuch im Naumburger Stadtarchiv selbst einen Blick auf das Original der Naumburger Kirchenordnung von 1537/38 und weitere wertvolle Dokumente aus 500 Jahren Kirchenmusikgeschichte an St. Wenzel werfen, bevor am Abend bei einem Wandelkonzert durch Naumburgs Kirchen, verbunden mit einer Stadtführung, der Blick auf ein sehr aktuelles Thema fällt: Den "Dialog der Religionen". Erfahren Sie hierbei Christentum, Judentum und Islam auf textliche und musikalische Weise und besuchen Sie historisch bedeutende Orte wie den Naumburger Dom, wo einst Nikolaus von Amsdorf zum ersten evangelischen Bischof der Welt geweiht wurde, die Jüdengasse neben St. Wenzel und das Marientor. Mit dabei: Der Leipziger Synagogalchor, das Theater Naumburg sowie Martin Luther, Nikolaus von Amsdorf und sein Gegenspieler Julius Pflug "persönlich".

Darüber hinaus finden im Rahmen Hildebrandt-Tage Gottesdienste, tägliche Mittagskonzerte "Orgel punkt Zwölf" und Konzerte an authentischen Orgeln in Weißenfels, Sangerhausen und Störmthal statt, die Johann Sebastian Bach einst selbst spielte - und in der Kirche zu Predel bei Zeitz wird die älteste Orgel des Burgenlandkreises von 1699 für Sie erklingen!

Auch zum Kinderkonzert für "A Capella und Orgel" am 21. Mai, den Mittagskonzerten "Orgel punkt Zwölf", unseren Gottesdiensten und Orgelführungen lade ich Sie herzlich nach St. Wenzel ein. Auf eine anlässlich des Reformationsjahres besonders festliche Konzertsaison mit zahlreichen renommierten Interpreten und Ensembles freut sich mit Ihnen

Ihr

Wenzelsorganist David Franke






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CD-Tipp

"Komm, Heiliger Geist - Orgelimprovisationen durchs Kirchenjahr in
St. Wenzel Naumburg"

- Die aktuelle CD von Wenzelsorganist
David Franke

Wenzelsorganist David Franke, Gewinner des legendären "Grand Prix d'Improvisation de Chartres" - des renommiertesten Orgelimprovisationspreises weltweit - improvisiert an der Hildebrandt-Orgel von St. Wenzel über Themen aus Kirchenjahr und Liturgie. Grundlage der Aufnahme sind Melodien aus der ersten protestantischen Kirchenordnung für St. Wenzel von 1537/38. Viele dieser Melodien finden sich noch heute im Evangelischen Gesangbuch. Die Improvisationen bedienen sich eines stilistischen Spektrums aus fünf Jahrhunderten und lassen die Hildebrandt-Orgel von 1746 in vielfältigen und oft überraschenden Klangfarben erklingen. Die im Motette-Verlag erschienene CD enthält ein informatives Booklet (47 Seiten) mit Erläuterungen auf Deutsch, Englisch und Französisch sowie zahlreichen Abbildungen.
Erhältlich ist sie in Naumburg zum Preis von 16,70 Euro direkt in St. Wenzel, im Dom St. Peter und Paul sowie in der Touristinformation, Markt 6 (hier kann sie auch per Post bestellt werden:
Tel. 03445/273125; Email: tourismus@naumburg.de).
Nehmen Sie sich mit dieser Aufnahme ein klingendes Souvenir aus Naumburg und, passend zum Reformationsjahr 2017, ein bedeutendes Stück protestantischer Liturgie- und Kirchenmusikgeschichte mit nach Hause, oder finden Sie darin die ganz besondere Geschenkidee!

 

Orgelabnahme
durch Bach und Silbermann